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Susan Neiman
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Susan Neiman (hebrĂ€isch ŚĄŚŚŚ Ś ŚŚŚŚ; * 27. MĂ€rz 1955 in Atlanta, Georgia) ist eine US-amerikanisch-deutsch-israelische Philosophin und seit dem Jahr 2000 Direktorin des Einstein Forums in Potsdam.
Neimans philosophisches Denken kreist wesentlich um die Frage, wie Menschen damit umgehen, dass die erfahrene Lebenswirklichkeit in vieler Hinsicht nicht so ist, wie sie den Hoffnungen und Erwartungen, den Gerechtigkeitsvorstellungen und Vernunftidealen nach sein sollte. Bereits als Jugendliche war Susan Neiman politisch engagiert, seinerzeit gegen das Vorgehen der USA im Vietnamkrieg, in der jĂŒngeren Vergangenheit gegen den Irak-Krieg der Bush-Regierung und als Wahlkampfhelferin fĂŒr Barack Obama. Ihre philosophisch unterlegte Forderung nach moralischer Klarheit zielt darauf ab, herkömmliche Moralbegriffe fĂŒr linksliberales Denken und Handeln wieder fruchtbar zu machen, sie also nicht konservativer Vereinnahmung und Deutungshoheit zu ĂŒberlassen.cite-ref-1[1]
Contents
âą Werdegang
âą Rezeption
âą Auszeichnungen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Werdegang
Neiman wuchs in einer jĂŒdischen Familie in Atlanta auf. Mit 14 Jahren verlieĂ sie die Schule und lebte und arbeitete in Kommunen. Sie engagierte sich in der Bewegung gegen den Vietnamkrieg, fĂŒhlte sich nach der LektĂŒre von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre zur Philosophie hingezogen, holte neben kleinen Jobs den Schulabschluss nach und studierte Philosophie an der Harvard-UniversitĂ€t, wo sie Assistentin von John Rawls wurde. Von ihm und Stanley Cavell wurde sie 1986 promoviert. Auf der Grundlage eines Stipendiums folgte ein lĂ€ngerer Deutschlandaufenthalt an der Freien UniversitĂ€t Berlin, der vor dem Fall der Berliner Mauer und dem deutschen Wiedervereinigungsprozess endete.
Von 1989 bis 1996 war Neiman Professorin an der Yale University, danach fĂŒr fĂŒnf Jahre an der UniversitĂ€t Tel Aviv. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind Moralphilosophie, politische Philosophie und Philosophiegeschichte. Sie ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 2000 wurde sie Direktorin am Einstein Forum in Potsdam. 2021 gehörte sie der Jury fĂŒr den mit 500.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis Einstein Foundation Award der Berliner Einstein-Stiftung an.cite-ref-2[2] Sie ist Mitglied der Grundwertekommission der SPD.cite-ref-3[3]
Susan Neiman war nach dem frĂŒhen Tod ihres ersten Mannes mit dem Wiener Psychoanalytiker Felix de Mendelssohn verheiratet, der im Oktober 2016 verstarb. Sie hat drei erwachsene Kinder aus erster Ehe und lebt gegenwĂ€rtig in Berlin-Neukölln. Sie besitzt neben der US-amerikanischen auch die israelische und seit 2016 die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]
Werk und Positionen
Philosophische Reflexionen und Ableitungen
In ihrem philosophischen Hauptwerk Das Böse denken. Eine andere Geschichte der Philosophie bestimmt Neiman die beiden HauptstrĂ€nge ihrer Untersuchung wie folgt: âDie historische Untersuchung bildet eine Achse, die begriffliche Reflexion eine andere.â Die von ihr ausgewĂ€hlten Denker werden nicht in strikt chronologischer Folge behandelt, sondern unterschiedlichen Ausrichtungen zugeordnet: einerseits solchen, die nach einer Ordnung hinter den âso bestĂŒrzenden Ereignissenâ suchen, andererseits denen, die ânur die RealitĂ€tâ sprechen lassen wollen.cite-ref-6[6]
Vergangenes Denken nachzuvollziehen, kann laut Neiman auch gegenwĂ€rtiger Orientierung eine Interpretationshilfe zur VerfĂŒgung stellen. So trete die Rolle von GlĂŒck und Zufall im Leben deutlich hervor. âWir fragen unsâ, so Neiman in der Einstimmung auf ihren Reflexionsgang weiter, âob eine ErklĂ€rung der Dinge nicht zu nahe an ihre Rechtfertigung herankommt, und wo wir aufhören sollten. Wir fragen uns, wie wir selbst weiterhin Gerechtigkeit ĂŒben können, wo doch die Welt im Ganzen so wenig gerecht ist. Wir fragen uns, welchen Sinn es hat, uns die Welt theoretisch zu erklĂ€ren, wo wir dem Leiden und dem Terror keinen Sinn verleihen können.âcite-ref-7[7]
Das Böse â vom Gottesgericht zu vielerlei âBanalemâ
Zwei hervorstechende historische Geschehnisse bilden die fast 200 Jahre der neueren Geschichte auseinanderliegenden Fixpunkte, um die und zwischen denen Neimans Reflexionsgang ĂŒber das Böse gelagert ist: einerseits das Erdbeben von Lissabon 1755 als ein Wendepunkt aufklĂ€rerischen Denkens und âGeburtsort der Moderneâ;cite-ref-8[8] andererseits der Holocaust, fĂŒr den speziell Auschwitz steht, als âZusammenbruch der Moderneâ.cite-ref-9[9] âLissabon wie Auschwitzâ, schreibt Neiman, âereigneten sich in einer AtmosphĂ€re gröĂter intellektueller GĂ€rung. In beiden FĂ€llen lieĂ die Katastrophe ein BĂŒndel von Annahmen ĂŒber Bord gehen, die schon auf der Kippe standen. Doch in beiden FĂ€llen zogen die Ereignisse Grenzen zwischen dem, was gedacht werden konnte, und dem, was nicht gedacht werden konnte.âcite-ref-10[10]
Sinnbild des strafenden Gottes in der monotheistischen Vormoderne war die biblische ErzĂ€hlung von Sodom und Gomorrha, in der eine blĂŒhende Stadt wegen des lasterhaft-sĂŒndigen Treibens ihrer Bewohner mit Feuer und Schwefel in einen TrĂŒmmerhaufen verwandelt wird. Von einem solchen Gottesbild war aufklĂ€rerisches Denken abgerĂŒckt. Zu grausam, zu eitel und zu kleinlich schien nun der biblische Gott; eine Religion der Gerechtigkeit konnte nicht mit BlutvergieĂen und Grausamkeit einhergehen.cite-ref-11[11] Stattdessen favorisierten aufklĂ€rerische Philosophen einen Deismus, der den Gottesbeweis in der Ordnung und ZweckmĂ€Ăigkeit der Natur selbst fand, gefördert vor allem von Newtons Entdeckungen.cite-ref-12[12] âDie Wissenschaftâ, so Neiman, âgalt nicht als Rivalin, sondern als Dienerin des Glaubens [âŠ] Jeder Fortschritt der Wissenschaft war ein weiterer Beweis fĂŒr die Ordnung der Welt.âcite-ref-13[13]
Die weithin verbreitete Schreckensnachricht vom verheerenden Erdbeben in Lissabon machte verstĂ€rkt bewusst, dass deistische Vorstellungen von einer gĂŒtigen Vorsehung im Naturgeschehen unhaltbar waren. Die mit Lissabon verbundene ZĂ€sur besteht fĂŒr Neiman in der nachfolgenden Abgrenzung von Natur und Moral in Bezug auf das Böse: âSeit Lissabon hat das natĂŒrliche Böse keine passende Beziehung mehr zum moralischen Bösen, und folglich hat es ĂŒberhaupt keinen Sinn mehr.âcite-ref-14[14] Danach sollte man sich nur noch ĂŒber das menschengemachte Böse auseinandersetzen.
Einen Begriffswandel von vergleichbarer Tragweite, wie dem auf das Lissaboner Erdbeben folgenden, reflektiert Neiman in Bezug auf Auschwitz: âLĂ€Ăt sich der Wandel durch die These auf den Punkt bringen, daĂ die Menschheit in Lissabon den Glauben an die Welt und in Auschwitz den Glauben an sich selbst verloren hat?âcite-ref-15[15] Auschwitz stelle âunsere Begriffe so entsetzlich auf den Kopfâ, weil es eine Möglichkeit der menschlichen Natur zeige, die man lieber nicht hĂ€tte entdecken wollen.cite-ref-16[16] Neiman schlieĂt sich der von Hannah Arendt zum Eichmann-Prozess in Jerusalem gegebenen Sicht an, dass Eichmann schuldig war und die Todesstrafe verdiente,cite-ref-17[17] obwohl er nach glaubhaftem eigenen Bekunden ohne bösen Vorsatz gehandelt habe.cite-ref-18[18] âArendts Darstellung liefert die entscheidende ErklĂ€rung dafĂŒr, warum Auschwitz zu einem Sinnbild fĂŒr das zeitgenössische Böse wurde, denn sie macht deutlich, daĂ Verbrechen, die so ungeheuerlich sind, daĂ die Erde selbst nach Vergeltung schreit, heute von Leuten begangen werden, deren Motive einfach nur banal sind. [âŠ] Verbrecher wie Eichmann weisen keines jener subjektiven Merkmale auf, mit denen wir ĂbeltĂ€ter identifizieren, und doch waren ihre Verbrechen objektiv so abscheulich, daĂ subjektive Faktoren demgegenĂŒber irrelevant sind.âcite-ref-19[19]
Verstörend nennt Neiman das Fehlen einer allgemeinen Deutung bzw. Korrelation von Absicht und Bösem: âDas Problem des Bösen begann damit, daĂ Gottes Absichten durchschaut werden sollten. Nun scheint es, als wĂŒrden wir nicht einmal aus unseren eigenen Absichten Sinn machen können.âcite-ref-20[20] Arendts Betrachtungsweise, wonach das Böse keine Tiefe habe und keine DĂ€monie, sondern die ganze Welt verwĂŒsten könne, âgerade weil es wie ein Pilz an der OberflĂ€che weiterwuchertâ, macht das Böse fĂŒr Neiman immerhin verstehbar: âDas Böse, davon war Arendt ĂŒberzeugt, ist nur dann zu ĂŒberwinden, wenn wir uns klarmachen, daĂ es uns in winzigen Schritten ĂŒberwĂ€ltigt.â Was uns heute bedrohe, sei trivial und schleichend. Wenn aber so ungeheure Verbrechen wie der Holocaust so kleine Ursachen haben könnten, âdĂŒrfen wir vielleicht hoffen, sie zu ĂŒberwinden.âcite-ref-21[21]
FĂŒr unzulĂ€ssig hĂ€lt es Susan Neiman, Formen des Bösen in gröĂere und kleinere einzuteilen; nicht ums Vergleichen, wohl aber ums Unterscheiden gehe es.cite-ref-22[22] Bekannte Formen des Bösen könnten dabei helfen, den Blick fĂŒr neue und andere Erscheinungsformen zu schĂ€rfen. Wer das Böse bekĂ€mpfen wolle, mĂŒsse es âin jedweder Gestaltâ erkennen können. âEine schleichende ökologische Katastrophe ist von keinem der IndustrielĂ€nder beabsichtigt, die es unterlassen, den mit Sicherheit dazu fĂŒhrenden Konsum zu regulieren â unsere Verantwortung, eine solche Katastrophe abzuwenden, ist damit aber keineswegs kleiner.âcite-ref-23[23]
Theodizee und conditio humana
Menschliches Leiden am Bösen und an den Ăbeln der Welt ins VerhĂ€ltnis zu setzen zu einer göttlichen Ordnung und Vorsehung, âdas BedĂŒrfnis, in der Welt zurechtzukommen, ohne darĂŒber zu verzweifelnâ, begrĂŒndet fĂŒr Neiman den Drang zur Theodizee. Im Buch Hiob sieht sie dafĂŒr den biblischen Ausgangspunkt.cite-ref-24[24]
Die neuzeitliche Philosophie hat, wie Neiman darstellt, das Problem des Bösen als elementares Sujet aufgenommen und unter sich wandelnden Gesichtspunkten bearbeitet. Dabei seien besonders wichtige Impulse von Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant ausgegangen; beide stehen werkĂŒbergreifend im Zentrum von Neimans sozialphilosophischen Reflexionen. Rousseau halte zwar am Vorsehungsglauben fest, weil ohne Belohnung und Strafe in einer anderen Welt das Elend in dieser nicht zu ertragen sei, doch wĂŒrden SĂŒndenfall und mögliche Erlösung bei ihm zu rational fassbaren menschheitsgeschichtlichen Wendepunkten. âRousseau setzt die Geschichte an die Stelle der Theologie, und an die Stelle der Gnade die pĂ€dagogische Psychologie. Damit nimmt er Gott die Verantwortung fĂŒr das Böse und schiebt sie eindeutig uns zu.âcite-ref-25[25] Die menschliche Natur werde von ihm als historisch wandelbar und von menschlichen Entscheidungen beeinflussbar wahrgenommen. âIndem wir das Böse als historisches PhĂ€nomen erforschenâ, folgert Neiman, âwird es Teil unserer BemĂŒhungen, die Welt theoretisch verstĂ€ndlicher und praktisch verĂ€nderbar zu machen.âcite-ref-26[26]
Rousseaus Entwurf fĂŒr eine bessere als die vorgefundene heruntergekommene Welt zeigt sich fĂŒr Susan Neiman hauptsĂ€chlich in seinem Werk Ămile oder ĂŒber die Erziehung. Der Auftaktsatz enthalte bereits das gesamte GedankengebĂ€ude des Verfassers: âAlles, was aus den HĂ€nden des Schöpfers kommt, ist gut; alles entartet unter den HĂ€nden des Menschen.â Ămile soll deshalb, so weit dies fĂŒr ihn gefahrlos möglich ist, seinen natĂŒrlichen Antrieben gemÀà aufwachsen und aus den eigenen Erfahrungen lernen. Seinem Erzieher bleibt wesentlich die Aufgabe, ihn vor gravierenden Fehltritten zu bewahren. âEin Kindâ, heiĂt es bei Neiman, âdas nach den Absichten der Natur aufwĂŒchse, wĂ€re fĂŒr die Ăbel der Zivilisation nicht anfĂ€llig und der Aufgabe gewachsen, eine bessere zu schaffen.âcite-ref-27[27] FĂŒr Kant seien die Beziehungen, die Rousseau zwischen Aspekten der Kindererziehung und politischen Lebenswelten herstellte, nicht weniger erhellend gewesen als Newtons Erkenntnisse zu Naturgesetzen, so dass er in ihm den âNewton des Geistesâ erblickte.cite-ref-28[28]
Als die entscheidende Entdeckung Kants, zu der er im Laufe seiner spĂ€teren Studien gelangte, bezeichnet Neiman die, âdaĂ wir notwendig unwissend sind.âcite-ref-29[29] WĂ€hrend die frĂŒhere Philosophie in der Begrenztheit des menschlichen Wissens ein Problem gesehen habe, sei sie fĂŒr Kant einfach eine Tatsache. Das gelte auch fĂŒr die Verhaltensmoral: âFrei handeln heiĂt, ohne umfassendes Wissen oder absolute Macht zu handeln, also ohne Allwissenheit und Allmacht. Nicht zu wissen, ob unsere guten Absichten belohnt werden, ist die Bedingung dafĂŒr, daĂ wir sie haben.âcite-ref-30[30] Andererseits bestimme der legitime Wunsch, die menschliche Begrenztheit zu ĂŒberwinden, die Fassung von Kants kategorischem Imperativ: âHandle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden kann.â Damit sei eine gottgleiche Perspektive eingenommen: âWelche Entscheidungen wĂŒrden wir treffen, wenn wir die Chance hĂ€tten, die beste aller möglichen Welten zu schaffen?âcite-ref-31[31]
Kant, so Neiman, sei der einzige groĂe Philosoph, der âauf der völligen Verschiedenheit von Vernunft und RealitĂ€t bestanden hat â und beiden gleich viel Raum zugesteht.âcite-ref-32[32] Zwei Denkschulen in der Nachfolge Kants â Neiman nennt sie die analytische und die kontinentale â seien unterschiedlicher Auffassung darĂŒber, ob menschliches Streben nach Transzendenz sinnlos sei oder nicht. âIst unser Trieb, die Erfahrung zu ĂŒberschreiten, ein StĂŒck obsoleter Psychologie oder gehört er zur conditio humana?â, fragt Neiman und stellt fest: âKant war vom zweiten ĂŒberzeugt, denn er war vollkommen gespalten. Das Verlangen, unsere Grenzen zu ĂŒberschreiten, ist fĂŒr den Menschen ebenso wesentlich wie das Wissen um dessen Unmöglichkeit.âcite-ref-33[33]
AufklÀrung und Vernunft
Des Fortwirkens theologischer Begrifflichkeiten in ihrem Philosophieren seien sich Denker wie Kant, Hegel und Marx völlig bewusst gewesen, so Neiman. Bestimmte Fragen seien von verschiedenen Zeitaltern lediglich verschieden formuliert und beantwortet worden. âDer Gedanke des Fortschritts und die Idee der Vorsehung sind nur verschiedene Weisen, Versionen ein und desselben Problems darzulegen.â Das geschehe aber nicht zufĂ€llig, sondern sage vielmehr etwas ĂŒber die menschliche Natur selbst aus.cite-ref-34[34]
Bedeutende Vertreter aufklĂ€rerischen Denkens gab es nicht nur auf Seiten derer, die aus einer als unheilvoll erlebten Welt nach einer besseren strebten, sondern auch unter denen, die aus einer schonungslosen Begutachtung empirischer Gegebenheitencite-ref-35[35] die Konsequenz zogen, dass es nichts zu verĂ€ndern gebe, sondern dass es gelte, sich in der vorfindlichen Wirklichkeit einzurichten, so gut oder genĂŒsslich das eben geht. Zu diesem Lager zĂ€hlt Neiman namentlich Pierre Bayle mit seinem Dictionnaire historique et critique,cite-ref-36[36] Voltaire mit seinem Candide, David Hume mit den Dialogen ĂŒber natĂŒrliche Religion und den Marquis de Sade mit seinen sprichwörtlichen Exzessencite-ref-37[37] sowie Arthur Schopenhauer, der zu dem Schluss gelangte, die Welt in ihrer desolaten Verfassung sei selbst das Weltgericht.cite-ref-38[38]
Zwei einflussreiche Denker am Ăbergang vom 19. zum 20. Jahrhundert stehen fĂŒr Neiman auf keiner der beiden von ihr gemeinten Seiten:cite-ref-39[39] Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud. Nietzsche, so Neiman, versuche sich an der Ăberwindung der Theodizee durch Ăberbietung. âKant hat uns erlaubt, uns einzubilden, wir wĂŒrden Naturgesetze schaffen. Nietzsche will von uns, dass wir gleich die Schöpfer der ganzen Welt werden, nicht nur dessen, was an ihr gut ist; der Vergangenheit ebenso wie der Zukunft.â DemgegenĂŒber seien fĂŒr Freud unsere beharrlichen Versuche, im Elend Sinn zu finden, von Kindheitsphantasien und Verlusterlebnissen gespeist. âErst als der Vorsehungsglaube als Funktion der Triebökonomie durchschaut war, haben wir uns von ihm lösen können. Denn nichts bringt jemanden so sicher dazu, eine Position zu rĂ€umen, wie ihn dazu zu bringen, sich ihrer zu schĂ€men.âcite-ref-40[40] FĂŒr von Freud beeinflusste Menschen sind, laut Neiman, Vernunft und Natur einander so entgegengesetzt, dass die Erwartung, sie irgendwie zusammenzubringen, einen Kategorienfehler ergĂ€be. âDer alte Freud war gleichzeitig der schĂ€rfste Naturalist und der Urheber einer pessimistischen Anthropologie. Kein Wunder also, daĂ die systematische Einteilung des Bösen bei ihm wegschmilzt. Aus den verschiedenen Arten des Bösen werden bloĂ Beispiele fĂŒr die zahllosen Weisen, auf die das Leben uns ĂŒberfordert.âcite-ref-41[41]
Bezeichnend fĂŒr Kant ist, laut Neiman, dass er âdem unwiderruflichen Riss in der Weltâ nicht ausgewichen sei. âDie Kluft zwischen dem, wie die Dinge sind, und dem, wie sie sein sollten, ist zu groĂ, als dass man sie mit guten Absichten ĂŒberbrĂŒcken könnte. [âŠ] Ideen sind wie Horizonte â Ziele, denen man sich annĂ€hert, die man aber nie wirklich erreicht. Menschliche WĂŒrde verlangt danach, Ideale um ihrer selbst willen zu lieben, doch nichts gewĂ€hrleistet, dass die Liebe vergolten wird.âcite-ref-42[42] So ist es auch Kants Vernunftbegriff, den Neiman fĂŒr geeignet hĂ€lt, im SpannungsverhĂ€ltnis zwischen Sein und Sollen, zwischen Wirklichkeit und WĂŒnschenswertem zu vermitteln. Dieser Vernunftbegriff schlieĂt Kants erkenntnistheoretische Skepsis ein und damit die Begrenztheit menschlichen Zugriffs auf die Wirklichkeit.
Voltaire hatte der Vernunft laut Neiman eine DoppelschwĂ€che attestiert: Als Wahrheitsinstrument achte sie zu wenig auf Empirie; als Handlungsinstrument fehle es ihr allgemein an motivierender Wirkung und folglich an der Lenkungsfunktion.cite-ref-43[43] FĂŒr Kant bleibe sie aber der Antrieb, durch den die Wirklichkeit zum Besseren verĂ€ndert werden kann. Obwohl es nur eine Forderung der Vernunft sei und kaum auf Erfahrung beruhe, WĂŒnschenswertes mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen, gilt fĂŒr Neiman andererseits, dass Erfahrung so wenig ohne Vernunft zu denken ist wie ohne Vorstellungen ĂŒber Ursachen und Wirkungen. âDer Glaube, daĂ Vernunft in der Welt ist, ist die Bedingung der Möglichkeit dafĂŒr, in ihr weiterzumachen.âcite-ref-44[44]
Die Vernunft im Sinne Kants setze Zwecke und wirke sinnstiftend. FĂŒr das Erkenntnisstreben nach dem Prinzip des zureichenden Grundes â wonach fĂŒr alles, was geschieht, der Grund gesucht und gefunden sein will, warum es so und nicht anders geschieht â gibt es, so Neiman, âkeinen natĂŒrlichen Ruhepunktâ.cite-ref-45[45] Sinn sei etwas, das Menschen erringen mĂŒssten. âEin von vornherein sinnvolles Leben wĂ€re kein Leben gewesen.âcite-ref-46[46] Das sinnstiftende Streben der menschlichen Vernunft, sich in der Welt zu Hause zu fĂŒhlen, gehe einher mit der Weigerung, die Welt sich selbst zu ĂŒberlassen.cite-ref-47[47] âSolange wir mit guten GrĂŒnden glaubenâ, zitiert Neiman John Rawls, âdass eine gerechte politische und soziale Ordnung möglich ist, können wir auf Verwirklichung hoffen und dazu beitragen.âcite-ref-48[48]
Moralpolitische Leitlinien
Wer gesellschaftlichen MissstĂ€nden abhelfen möchte, meint Neiman, âsteht ohne eine Sprache der Moral mit leeren HĂ€nden da.â Sie hĂ€lt es fĂŒr falsch, auf Begriffe wie Moral, Ehre, Eigenverantwortung oder Heldentum zu verzichten und sie politischen Widersachern fĂŒr oft missbrĂ€uchliche Zwecke zu ĂŒberlassen. Man dĂŒrfe nicht zulassen, dass diejenigen, die die Sprache der Moral pervertiert hĂ€tten â in den USA namentlich die Tea-Party-Bewegung â, die Spielregeln bestimmen.cite-ref-49[49]
AufklĂ€rung im Sinne Kants ist fĂŒr Susan Neiman keine fixe Geistesverfassung, sondern ein mit Wachsamkeit verbundener Prozess fortlaufender SelbstprĂŒfung, âdie sich direkt damit auseinandersetzt, in welcher Weise das menschliche BedĂŒrfnis nach Wahrheit und Freiheit in der westlichen Kultur ungestillt geblieben ist.â Die Suche nach aufgeklĂ€rten Werten, die robust genug sind, dem Fundamentalismus Paroli zu bieten, sei gerade jetzt an der Zeit.cite-ref-50[50]
Bekenntnis und Artikulation
Nicht von ungefĂ€hr komme das von ihr beobachtete Meidungsverhalten, das Linksliberale in Bezug auf profilierte Moralbegriffe an den Tag legten, erklĂ€rt Neiman. Die unter sowjetischer Herrschaft begangenen Verbrechen an der Menschlichkeit seien von verstörender Wirkung gewesen, da sie begangen worden seien im Namen von Prinzipien, âdie den meisten von uns lieb und teuer sind. [âŠ] Im stalinistischen Terror waren die mutigsten BĂŒrger getötet worden, und im Osten ĂŒberlebte eine freudlose, bittere Kultur, gezeichnet von Zynismus und Neid. Wenn das beim Kampf fĂŒr die Ideale von Freiheit und Gerechtigkeit herauskam, wĂ€re es dann nicht besser, die HĂ€nde in den SchoĂ zu legen?âcite-ref-51[51]
Unterdessen herrsche eine durch Verunsicherung bedingte Scheu, zum historisch-politischen Geschehen ein moralisches Urteil zu fĂ€llen. âDer Nichteinmischungspakt, der Philosophen davon abhĂ€lt, ĂŒber die Geschichte zu reden, und Historiker daran hindert, ĂŒber Moral zu sprechen, sorgt dafĂŒr, dass sich nur wenige Menschen mit der nötigen Kompetenz ins Gefecht stĂŒrzen â auĂer es geht um Fragen, die so spezifisch sind, dass nur andere Spezialisten sich dafĂŒr interessieren.â Zwar fehle es nicht an philosophischen Untersuchungen zu Moralbegriffen; dabei bediene man sich aber oft einer unverstĂ€ndlichen, von Alltagsbelangen losgelösten Sprache.cite-ref-52[52]
Neiman hĂ€lt eine RĂŒckkehr zur Sprache von Gut und Böse fĂŒr nötig, etwa zum Beispiel mit Blick auf die FoltervorgĂ€nge von Abu Ghuraib und deren Nachspiel, um eine âweitere Erosion der Schamâ aufzuhalten. Denn an der Scham erweise sich das eigene Unrechtsbewusstsein vor einer Gemeinschaft, deren Werte man selbst respektiert. âDie Schuld wird hĂ€ufig fĂŒr das tiefer gehende GefĂŒhl gehalten, doch die Scham hinterlĂ€sst Zeichen, die zugleich öffentlich und privat sind.âcite-ref-53[53]
HumanitÀrer Fortschritt
Die Frage, ob mit Mitteln aufgeklĂ€rter Vernunft im Sinne Kants Fortschritt zu erzielen sei, bejaht Neiman nur bedingt. Da wir ĂŒber die Ergebnisse unseres Handelns nicht verfĂŒgten und so vieles fehlschlagen könne, sei es gut möglich, dass man eines Tages von tiefstem Zweifel ergriffen werde: âKeine der Hoffnungen hat bisher FrĂŒchte getragen; die RealitĂ€t sperrt sich genauso hartnĂ€ckig wie vorher gegen die Vernunft. Die Wissenschaft schreitet vielleicht voran, aber die Menschheit scheint sich in einem Kreis von Zerstreuung und Leid zu bewegen.âcite-ref-54[54]
Zeichen dafĂŒr, dass es gleichwohl den Einsatz lohnt, fĂŒr eine Verbesserung menschlicher Lebensbedingungen zu streiten, sieht Neiman unter anderem in der Beendigung der innereuropĂ€ischen Kriege und in der EuropĂ€ischen Union mit ihrer Anlage zur FreizĂŒgigkeit im Binnenraum und zur Gemeinsamkeit. âDie Institutionen, die das gewĂ€hrleisten, mögen fehlerhaft und schwerfĂ€llig sein, aber sie sind demokratisch und selbstverwaltet.âcite-ref-55[55]
Auch aus dem eigenen Engagement leitet Susan Neiman Anzeichen fĂŒr berechtigte Fortschrittshoffnung ab: âAls wir âșWe shall overcomeâč sangen, stellten wir uns vor, die gegenwĂ€rtige RealitĂ€t zu ĂŒberwinden und eine Welt zu schaffen, die es noch nicht gab: eine Welt, in der Schwarze dieselben Schulen besuchen, in denselben Seen schwimmen und in denselben Vierteln wohnen konnten wie die WeiĂen. Es lag damals noch nicht lange zurĂŒck, dass das Rote Kreuz im Zweiten Weltkrieg Blutspenden von WeiĂen und Schwarzen getrennt hatte und schwarze Kriegsheimkehrer ungestraft gelyncht worden waren.âcite-ref-56[56] Ăhnlich bedeutsame Fortschritte seien auch hinsichtlich der Frauengleichberechtigung erzielt worden: âDass der Sexismus sich noch in vielen Formen behauptet â und in einigen Teilen der Welt können sie tödlich sein â, schmĂ€lert nicht die Bedeutung der Hinsichten, in denen das Leben von Frauen sich geĂ€ndert hat. Sie sind nicht annĂ€hernd vollkommen, doch sie sind umso wichtiger, weil sie die gröĂte Nische berĂŒhren: wie wir unser Privatleben gestalten.âcite-ref-57[57]
Neiman plĂ€diert dafĂŒr, sich diese staunenswerten VerĂ€nderungen bewusst zu machen, auch wenn bei derartigen Fortschritten immer die Gefahr bestehe, dass sie nur vorĂŒbergehend sind. âIch argumentiere fĂŒr Hoffnungen, die nicht irrational sind, denn ihre Zeichen sind konkret â so konkret wie die Indizien fĂŒr den Klimawandel. Beides ist real, und wir können uns nicht sicher sein, ob die Menschheit zu einem besseren Zustand fortschreitet oder ins Verderben rennt. Woran man sich hĂ€lt, ist eine Frage der Entscheidung, aber diese Entscheidung muss nicht beliebig sein. Wer glaubt, dass Fortschritt möglich ist, kann angesichts des Klimawandels etwas tun. Wer es nicht glaubt, dem bleibt nur, das Fernsehprogramm zu wechseln.âcite-ref-58[58]
Individuelles Heldentum
HumanitĂ€rer Fortschritt im gesellschaftlichen Leben geht von Akteuren aus, die ihn initiieren und vorantreiben, auch von Vordenkern und Handlungsvorbildern, die dafĂŒr Orientierung bieten. Zum moralischen Helden kann fĂŒr Neiman aber auch werden, wer sich Unrechtshandlungen in einem von kollektiver oder autoritĂ€rer Bösartigkeit geprĂ€gten Umfeld widersetzt. DiesbezĂŒglich existierten jedoch keine psychologischen Untersuchungen, die sich fĂŒr Vorhersagen bewĂ€hrt hĂ€tten.cite-ref-59[59] âManche Familienstrukturen, manche Arten der Erziehung sind der Widerstandskraft zutrĂ€glicher als andere, aber genauso hĂ€ufig erscheint ein moralischer Held, auch ohne dass er in deren Genuss gekommen wĂ€re.â Anderes gelte aber fĂŒr Prognosen zu kollektiven Reaktionen: âMan lasse anstĂ€ndige Menschen in unanstĂ€ndige UmstĂ€nde geraten, und die meisten werden sich unanstĂ€ndig verhalten.âcite-ref-60[60]
In nahezu jeder Hinsicht unvorhersehbar und nur hinsichtlich der Motivlage der Beteiligten und der Wirkung ihres Handelns deutlich ist eine Erscheinungsform von Heldentum, die Neiman in den GeschehensablĂ€ufen des 11. September 2001 hervorhebt. âNichts entsetzt am 11. September so sehr wie die Tatsache, daĂ die Passagiere der ins World Trade Center einschlagenden Flugzeuge nicht nur aus dem Leben in den Tod gerissen wurden, sondern auch noch Teil der Explosionen waren, die Tausende andere töteten.â Einige Passagiere in United-Airlines-Flug 93 waren per Handy ĂŒber die TerroreinschlĂ€ge der Flugzeuge in die TĂŒrme des World Trade Centers alarmiert und im Bild darĂŒber, dass auch ihre Maschine entfĂŒhrt und mit ungewissem Ziel in Richtung Washington unterwegs war. Indem sie durch ihren Angriff auf das Cockpit letztlich den Absturz der Maschine auf offenem Feld bewirkten, haben sie noch Schlimmeres verhindert, so Neiman. âSie bewiesen, daĂ Menschen frei sind und ihre Freiheit nutzen können, um eine Welt zu beeinflussen, die sich ihrer Kontrolle entzieht.âcite-ref-61[61]
Um auf moralische Reflexionen und Leitvorstellungen gegrĂŒndetes Heldentum in Beispiele zu fassen, hat Neiman an anderer Stelle vier Persönlichkeiten portrĂ€tiert, die sie selbst diesbezĂŒglich besonders beeindruckt haben. Dabei handle es sich um Menschen, die veranschaulichen könnten, wie die Werte der AufklĂ€rung sich im Handeln beweisen. Die vier PortrĂ€tierten sind David Shulman, der sich in der israelischen Friedensbewegung fĂŒr einen gerechten Interessenausgleich mit den PalĂ€stinensern einsetzt; Sarah Chayes, die sich trotz aller Widrigkeiten unbeirrbar als Organisations- und Aufbauhelferin in Afghanistan engagiert; Daniel Ellsberg, der sich als Mitglied des Regierungsapparats schlieĂlich gegen den Vietnamkrieg der USA stellte und die Publikation der Pentagon-Papiere ermöglichte; sowie Bob Moses, dessen nachhaltiger Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung sich in der amerikanischen BĂŒrgerrechtsbewegung nicht erschöpfte. Alle vier von ihr ausgewĂ€hlten Persönlichkeiten, betont Neiman, hĂ€tten zudem BĂŒcher geschrieben, in denen sie ihrer Suche nach moralischer Klarheit und den GrĂŒnden fĂŒr ihr Engagement nachspĂŒren.cite-ref-62[62]
Menschliche Reife und Selbstbestimmung
Eine im Rahmen menschlicher Möglichkeiten selbstbestimmte und erfĂŒllende individuelle Existenz, wie sie in den Menschenrechten angelegt ist, stelle sich nicht automatisch ein, betont Neiman, sondern könne nur in der Auseinandersetzung mit beachtlichen WiderstĂ€nden erlangt und behauptet werden. Erwachsen werden ist fĂŒr sie im Sinne Kants an einen individuellen Prozess der AufklĂ€rung gekoppelt, der zur MĂŒndigkeit befĂ€higt. Das dazu hilfreiche philosophische Nachdenken habe Kant im Kern â âWas kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?â â fĂŒr allgemein zugĂ€nglich gehalten.cite-ref-63[63] Es sei aber auch Mut nötig, um mit einem das Leben durchziehenden Riss zurechtzukommen: âIdeale der Vernunft sagen uns, wie die Welt sein sollte; die Erfahrung sagt uns, dass sie selten so ist. Erwachsenwerden verlangt, sich der Kluft zwischen beidem zu stellen, ohne eines davon aufzugeben.âcite-ref-64[64]
MĂŒndig werden gegen WiderstĂ€nde
Wo das strukturelle Problem des MĂŒndigwerdens liege, so Neiman, habe Kant bereits deutlich aufgezeigt: Selbst zu denken sei weniger bequem, als andere fĂŒr sich denken zu lassen. Doch seien die Mittel, mit denen man heute unmĂŒndig gehalten werde, âweitaus subtiler und invasiver.âcite-ref-65[65] Direkte Repression wie noch zu Kants Zeiten fĂŒhre frĂŒher oder spĂ€ter zur Rebellion der UnterdrĂŒckten. Die moderne Konsumgesellschaft erzeuge dagegen mit den vielerlei âSpielzeugenâ, die sie den Menschen aufdrĂ€nge, eine AbhĂ€ngigkeit durch indirekte Repression. Zwar wĂŒrden weder Autos noch Smartphones als Spielzeug ausgegeben, sondern als wichtige Werkzeuge des Erwachsenenlebens betrachtet. Vorstellungen einer gerechteren und humaneren Welt dagegen wĂŒrden als kindische TrĂ€ume abgetan â fĂŒr Neiman eine perfide Verkehrung und begriffliche Verwirrung. âSelbst die besten Regierungen dĂŒrften es als leichter empfinden, unmĂŒndige und passive Untertanen statt aktive BĂŒrger zu regieren. Man könnte hier geradezu von institutioneller Faulheit sprechen.âcite-ref-66[66]
Mit Errichtung des Cyberspace erscheinen die individuellen Ablenkungsmöglichkeiten nahezu grenzenlos. Upgrades und Neuanschaffungen allein sorgten bereits fĂŒr zweifelhafte DauerbeschĂ€ftigung: âWĂŒrde man all die Stunden zusammenrechnen, die wir mit den so munter bezeichneten Upgrades verplempert haben â Wie stelle ich den neuen Wecker ein? Wie grille ich mit dem neuen Backofen? Wie speichere ich die Nachrichten auf dem neuen Smartphone oder die Bilder auf der neuen Kamera? â, wĂ€ren das nicht genug Stunden, um Nahrungsmittel fĂŒr alle hungrigen Kinder der Welt zu produzieren oder wenigstens ein Heilmittel gegen Krebs?â, fragt Neiman.cite-ref-67[67] In der Nachfolge Kants, der vom Mut sprach, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, ist fĂŒr sie das Erwachsenwerden mehr noch eine Frage des Mutes als des Wissens. Mut sei nötig, âum den KrĂ€ften zu widerstehen, die weiterhin gegen die MĂŒndigkeit arbeiten werden, denn wirklich mĂŒndige Erwachsene lassen sich nicht lange mit Brot und Spielen ablenken.âcite-ref-68[68] Erwachsenwerden heiĂe, die Ungewissheiten anzuerkennen, die unser Leben durchziehen, verbunden mit der Einsicht, dass wir unvermeidlich weiter nach Gewissheit suchen werden.cite-ref-69[69]
Alles in allem, so Neiman, möge man sich auch mit kleinen Fortschritten begnĂŒgen und sie nicht geringschĂ€tzen: âEs ist unmöglich, vollkommen mĂŒndige BĂŒrger in einer Gesellschaft heranzubilden, die Erwachsensein unterminiert, und zugleich ist es unmöglich, ohne eine recht groĂe Zahl mĂŒndiger Erwachsener eine andere Gesellschaft hervorzubringen.â Immerhin werde auch eine nur teilweise gelungene Emanzipation der nĂ€chsten Generation zu einem besseren Start verhelfen.cite-ref-70[70]
Leben als lohnende Fortbewegung
Was Menschen dabei im Wege steht, mĂŒndig zu werden und erwachsen zu leben, hat fĂŒr Neiman auch mit einer verbreiteten, aber aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Furcht vor dem Ălterwerden zu tun, in jĂŒngerer Vergangenheit auf den Begriff gebracht etwa von The Who in My Generation: âHope I die before I get oldâ.cite-ref-71[71] Neiman verweist auf neuere Studien von Psychologen und Ăkonomen, die in dem Befund einig seien, dass in Relation zum Lebensalter, und zwar unabhĂ€ngig vom Land und vom eigenen Lebensstandard, GlĂŒck und Zufriedenheit tendenziell nicht ab-, sondern zunehmen. Diese Studien bestĂ€tigten die sogenannte U-Kurve, die einen Stimmungsabfall bis zu einem Tiefpunkt im Bereich der mittleren Lebensjahre beschreibe, um danach stetig vermehrtes GlĂŒckserleben anzuzeigen. Weder BeschĂ€ftigung noch Einkommen oder Kinder spielten im Durchschnitt dabei eine Rolle. âVon den Vereinigten Staaten bis hin nach Zimbabwe sind die empirischen Befunde dieselben.âcite-ref-72[72]
Eine aufsteigende Kurve unter den menschlichen Dispositionen zeige mit zunehmendem Alter ansonsten allein die Urteilskraft, konstatiert Neiman. Die geistige Erweiterung, die dafĂŒr die Grundlage bilde, fĂŒhrt sie mit Kant auf Empathieerfahrung zurĂŒck, auf die individuelle Auseinandersetzung mit den vielfĂ€ltigen Perspektiven von Mitmenschen, die sich im Laufe des Lebens summieren. âAuf vielen Gebieten â Philosophie, Ideologie, Politik â ist der alte Mensch einer synthetischen Schau fĂ€hig, wie sie den Jungen versagt istâ, heiĂt es bei Simone de Beauvoir in Das Alter.cite-ref-73[73]
Verbesserte Urteilskraft wiederum begĂŒnstige die FĂ€higkeit, so zu lernen, zu arbeiten und zu reisen, schreibt Neiman, dass man gegen die indirekte Repression der Konsum- und Ablenkungsangebote besser gewappnet sei. Nicht nur Zeit, sondern auch Raum fĂŒr Erfahrungen seien dabei hilfreich. Denn wer richtig reise, finde Zugang zum Urteilsvermögen vieler Menschen und verbessere dadurch auch sein eigenes.cite-ref-74[74]
Rezeption
WerkĂŒbergreifend wird Neimans ĂŒber Philosophenkreise hinaus gut verstĂ€ndliche, anschauliche Sprache gewĂŒrdigt und eine stilistische Leichtigkeit, bei der analytische Betrachtungen mit gelegentlichen Aphorismen verbunden werden.cite-ref-75[75] Das Problem des Bösen werde nirgends explizit behandelt, schreibt Neiman resĂŒmierend ĂŒber die Philosophie des 20. Jahrhunderts: âWas einst Ausgangspunkt der meisten philosophischen Spekulationen ĂŒber Erscheinung und Wirklichkeit, Vernunft und Recht war, wurde zu einem peinlichen anachronistischen Appendix. Wir schreiben die Geschichte, die wir fortzusetzen wĂŒnschen.âcite-ref-76[76]
Das Böse denken (2004)
Neiman prĂ€sentiere in ihrer Studie eine neue, originelle Lesart der Philosophiegeschichte mit dem Problem des Bösen als Organisationsprinzip, urteilt David Krause und hĂ€lt die Ergebnisse fĂŒr interessant und aufschlussreich. Andererseits blieben manche der angesprochenen spannenden Fragen â wie etwa die zum Thema Willensfreiheit â offen. Dazu vermisst Krause eine klare Stellungnahme.cite-ref-77[77]
Drei Thesen bilden fĂŒr Rolf Löchel die SĂ€ulen von Neimans geschichtsphilosophischem Entwurf âvon seltener OriginalitĂ€tâ: 1. Das Problem des Bösen sei als Organisationsprinzip fĂŒr das Verstehen der Philosophiegeschichte besser geeignet als jede Alternative. 2. Es bilde das Band zwischen Ethik und Metaphysik. 3. Die Unterscheidung zwischen dem natĂŒrlichen und dem moralischen Bösen sei historisch entstanden und im Zuge der aufklĂ€rerischen Debatte um das Erdbeben von Lissabon 1755 entwickelt worden. Bei der Ăbersetzung ins Deutsche hĂ€tte es sich laut Löchel angeboten, zwischen natĂŒrlichem Ăbel und moralischem Bösen zu unterscheiden.cite-ref-78[78] Magnus Schlette bescheinigt Christiana Goldmann eine im Ganzen glĂ€nzende Ăbertragung. Das Buch könne man sich in der Weise, wie Neiman sich in die GroĂen der Philosophiegeschichte hineinversetze, âwie ein ins Reine geschriebenes Protokoll eines GesprĂ€chs vorstellen, zu dem Neiman einige Philosophen in ein Landhaus einlud.âcite-ref-79[79]
Moralische Klarheit (2010)
Eine Dekonstruktion der Moral, vermeintlich hervorgerufen durch âdie antiimperialistische Wendeâ der 1970er Jahre, durch âGender Studiesâ und âIdentity Politicsâ, sieht Alan Posener als Motivationsgrund fĂŒr Susan Neimans gegenlĂ€ufige RekonstruktionsbemĂŒhungen. Der intellektuellen Linken, so Posener, erschienen die universellen Werte âals lauter Rechtfertigungen des WeiĂen Mannes fĂŒr seine Dominanz.â Unter dem Einfluss des Poststrukturalismus verschwimme der Unterschied zwischen Ideal und Ideologie; Subversion werde zum einzig verbleibenden Wert. Nicht nur gelehrt, sondern auch vergnĂŒglich nennt Posener die Behandlung des Themas durch Neiman. Er wĂŒrdigt es als betrĂ€chtliche Leistung, dass es ihr gelinge, Episoden des Alten Testaments, Homers Odyssee, Platons Gastmahl und die Schriften Immanuel Kants so aufzugreifen, âdass es die Lust weckt, diese Werke wieder fĂŒr sich zu entdecken.âcite-ref-80[80]
Simon Vaut vom Progressiven Zentrum sieht Susan Neiman mit ihrem Eintreten fĂŒr moralische Klarheit auf feindlichem Territorium. Auf dem Höhepunkt der Bush-Ăra habe dessen Berater William J. Bennett das Buch Why We Fight: Moral Clarity and the War on Terrorism publiziert, um der amerikanischen AuĂenpolitik eine moralische Rechtfertigung zu geben. âMoralische Klarheitâ sei das Erfolgsrezept der amerikanischen Rechten von Reagan bis Bush gewesen. Ihren Höhepunkt habe diese Strategie nach den TerroranschlĂ€gen vom 11. September 2001 mit Bushs berĂŒchtigter Rede ĂŒber die âAchse des Bösenâ erlebt. Wie im Orwellschen âNeusprechâ seien dabei die Tatsachen dreist verkehrt worden: âEine Phase des moralischen Niedergangs der amerikanischen Politik, in der KriegsgrĂŒnde fingiert, BĂŒrgerrechte beschnitten und Foltermethoden legalisiert wurden, kleidete sich in eine Sprache der moralischen Reinheit.âcite-ref-81[81]
FĂŒr die New York Times war Susan Neimans Schrift Moralische Klarheit in der englischsprachigen Originalversion 2008 eines der wichtigsten BĂŒcher des Jahres. The Guardian fĂŒhrte es im Folgejahr auf der Liste der wichtigsten SachbĂŒcher.cite-ref-82[82]
Warum erwachsen werden? (2015)
Markenfixierte Zeitgenossen, die stundenlang nach dem neuesten Smartphone anstehen, hĂ€tten natĂŒrlich etwas Kindisches an sich, heiĂt es in der Rezension von Hans-Martin Schönherr-Mann. Unternehmer und auch Politiker schienen in der Tat derlei Hedonismus durchaus zu unterstĂŒtzen, denn infantile Konsumenten lieĂen sich nun einmal leichter beeinflussen als mĂŒndige BĂŒrger. Doch greife Neiman, indem sie gegen solche Verbraucher zu Felde ziehe, âeher den entfesselten Neoliberalismus an als die Weigerung, erwachsen zu sein.â Unter dem Strich bringe das Buch trotz mancher interessanten Gedanken ânicht viel Neuesâ und wirke zudem oft belehrend.cite-ref-83[83]
Meike FeĂmann sieht in dem historischen Teil der Abhandlung âauf höchst sympathische Weise einen gut lesbaren Ritt durch die âKritik der reinen Vernunftâ und die âKritik der Urteilskraftââ. Neiman feiere Rousseaus Emile als einzigen umfassenden philosophiegeschichtlichen Versuch, ein Handbuch fĂŒrs Erwachsenwerden zu verfassen. Im Hinblick auf die Verortung ihres Themas in der Gegenwart springe die Verfasserin jedoch etwas unglĂŒcklich zwischen Empirie und Moral hin und her, etwa bei der zweifelhaften Behauptung, dass jungen Erwachsenen das Alter zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr als die beste Zeit des Lebens prĂ€sentiert werde â danach werde alles nur noch schlimmer. Die im Alter zunehmende Urteilskraft ist aus FeĂmanns Sicht eine wunderbare Sache, doch hĂ€tten sich die GegenstĂ€nde, auf die sich diese Urteilskraft bezieht, seit dem 18. Jahrhundert auf eine Weise verĂ€ndert, die von Neiman viel zu wenig in ihre Studie einbezogen worden sei.cite-ref-84[84]
Als eine Reise zu ausgewĂ€hlten Philosophen, Nationalökonomen und Soziologen liest Anja Hirsch Neimans Buch. In diesem âSammelsuriumâ und der Sprunghaftigkeit des Argumentationsgangs liege aber auch ein Problem: Nicht immer sei deutlich, worauf die Verfasserin hinaus wolle. Es sei begrĂŒĂenswert, wenn eine Philosophin anspruchsvollen Stoff leicht verstĂ€ndlich formuliere und an Gegenwartsbeispielen veranschauliche. An vielen Stellen wirke der Text jedoch beliebig und plakativ.cite-ref-85[85] Peter Praschl resĂŒmiert hingegen: âWie Susan Neiman das kantianische Erwachsenwerden beschreibt, ein Weg, der nie zu Ende geht, hat es etwas Subversives, das einen fast wieder jung macht. Man könnte es ruhig einmal versuchen.âcite-ref-86[86]
Links ist nicht woke (2023)
Neiman kritisiert den Essentialismus der IntersektionalitĂ€tstheorie, da er mit einer Stereotypisierung von Menschen einhergehe und deren Bewusstsein an Ă€uĂeren Merkmalen festmache.cite-ref-87[87] Sie findet, dass die Reduktion allen Strebens auf Machtgewinn gemÀà der These von Michel Foucault die Möglichkeit einer gerechteren gesellschaftlichen Ordnung verneine.cite-ref-88[88] Ebenso befĂŒrchtet sie, dass die âDekonstruktionâ vergangener AufklĂ€rer dem Leugnen jeglichen gesellschaftlichen Fortschritts diene.cite-ref-89[89] Insgesamt widersprĂ€che diese Ideologie den politischen Idealen und Hoffnungen aller Progressiven und Linken zutiefst.
âWas Neiman auf gerade einmal 168 Seiten zweifellos gelingtâ, schreibt Jens-Christian Rabe, âist eine exemplarisch zugespitzte Systematisierung und Charakterisierung der in den vergangenen Jahren viel diskutierten Konfliktlinien.â Neiman habe âkeinerlei Scheu davor, das Fangirl der AufklĂ€rung zu geben.â Einerseits vergesse sie, âwie schwer es sein kann, sich fĂŒr universale Gerechtigkeit zu engagieren, wenn man etwa dauernd die Macht der Mehrheitsgesellschaft zu spĂŒren bekommt.â Andererseits habe Neimans âforsche Fortschrittsemphase auch etwas MitreiĂendes, das in heillos komplizierten Zeiten wie diesen sehr selten geworden ist.âcite-ref-90[90]
Marianna Lieder zeigt sich Ă€hnlich gespalten. Neiman demonstriere, âdass sie souverĂ€n argumentieren kann. Wenn sie etwa das Denken der AufklĂ€rung â dem in all ihren BĂŒchern ein besonderer Stellenwert zukommt â gegen beliebte zeitgenössische VorwĂŒrfe verteidigt, schreibt sie pointiert und eingĂ€ngig: So seien Kant, Diderot und Co. zwar alles andere als unfehlbar gewesen. Als SĂŒndenböcke, die den Rassismus, Kolonialismus und Eurozentrismus legitimiert hĂ€tten, taugten sie dennoch nicht.â Aber âregelrecht abenteuerlich wird es [...], sobald Neiman mit den von ihr identifizierten reaktionĂ€ren SĂ€ulenheiligen und EinflĂŒsterern der Wokeness â der Begriff wird bei ihr nirgends zufriedenstellend definiert â abrechnet.âcite-ref-91[91] In diesem Sinn kritisiert Gregor Dotzauer Neiman dafĂŒr, an den Woken âvorbeizureden.âcite-ref-92[92] Novina Göhlsdorf formuliert die Kritik viel schĂ€rfer: âHinter Neimans Streitschrift scheint [...] weniger der Wunsch nach einer ergiebigen Auseinandersetzung und AnnĂ€herung unter Linken zu stehen, sondern eine sehr zeitgemĂ€Ăe Streitlust und das BedĂŒrfnis nach Selbstvergewisserung eines Kreises von Ă€hnlich Denkenden.âcite-ref-93[93] Auch Samuel Clowes Huneke wirft Neiman in der Los Angeles Review of Books vor, zentrale Begriffe nicht zu definieren. Das Buch, das sich stellenweise wie eine Parodie lese, sei schludrig geschrieben, gespickt mit persönlichen Angriffen und nicht besonders wohlwollenden Interpretationen.cite-ref-94[94]
Im Gegensatz dazu scheint Nils Schniederjann durchaus begeistert zu sein. Neiman gelinge âauf wenige[n] Seiten, die Gefahren aufzuzeigen, die drohen, wenn die Ideen der AufklĂ€rung vernachlĂ€ssigt oder gar abgelehnt werden, besonders bei denen, die sich als progressiv verstehen.â Er rĂ€umt zwar ein, dass das Buch ânicht immer wasserdichte und bis ins Letzte ausgefĂŒhrte Argumente fĂŒr ihre Thesen bietetâ, stellt aber fest: âwas sie manchmal an Tiefe einbĂŒĂt, gewinnt sie an Klarheit und PrĂ€gnanz der Argumentation.âcite-ref-95[95]
Das Buch landete gleich nach Erscheinen auf Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste fĂŒr September 2023 von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und Die Zeit.cite-ref-96[96]
Veröffentlichungen (Auswahl)
BĂŒcher
âą Slow Fire: Jewish Notes From Berlin, Schocken Books, New York 1992
âą The Unity of Reason: Rereading Kant, Oxford University Press, New York 1994
âą Zum GlĂŒck von Susan Neiman und Matthias KroĂ, Oldenbourg Akademieverlag 2004, ISBN 3-05-004057-2.
⹠Das Böse denken: Eine andere Geschichte der Philosophie, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-45753-5.
âą Fremde sehen anders. Zur Lage der Bundesrepublik, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-41735-5.
âą Moralische Klarheit. Leitfaden fĂŒr erwachsene Idealisten, Hamburger Edition, Hamburg 2010, ISBN 978-3-86854-223-3.
âą Warum erwachsen werden? Eine philosophische Ermutigung, Hanser, Berlin 2015, ISBN 978-3-446-24776-5.
âą Von den Deutschen lernen. Wie Gesellschaften mit dem Bösen in ihrer Geschichte umgehen können, ĂŒbersetzt aus dem Englischen von Christiana Goldmann. Hanser, MĂŒnchen 2020, ISBN 978-3-446-26598-1. Englisch: Learning from the Germans: Race and the Memory of Evil, Farrar, Straus and Giroux, 2019.
âą gemeinsam mit Michael Wildt (Hg.): Historiker streiten. Gewalt und Holocaust â die Debatte. Der neue Streit ĂŒber die Wurzeln des Holocaust und die Gewalt im 20. Jahrhundert. PropylĂ€en, Berlin 2022, ISBN 978-3-549-10050-9.
âą Links ist nicht woke, ĂŒbersetzt von Christiana Goldmann, Hanser, Berlin 2023, ISBN 978-3-446-27802-8.
Essays und Artikel (Auswahl)
⹠Amerikanische TrÀume. In: Honneth, Kemper und Klein (Hrsg.): Bob Dylan, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2007
âą Subversive Einstein. In: Peter Galison, Gerald Holton, Silvan S. Schweber (Hrsg.): Einstein for the 21st Century, Princeton University Press, Princeton, 2008
âą Einstein subversiv In: Osman Hajjar (Hrsg.): Heilige & HĂ€retiker. Kultfiguren aus drei Kontinenten, Kadmos Verlag 2022
âą Die FĂ€higkeit zu hoffen, der Freitag, 25. Juli 2008
âą Moralische Klarheit, Rezension in Die Presse vom 1. August 2009
âą Europe / The Outside / Enlightenment in: Robertson-von Trotha (Hrsg.) â Europe: Insights from the Outside (Kulturwissenschaft interdisziplinĂ€r/Interdisciplinary Studies on Culture and Society, Bd. 5), Baden-Baden, 2011, ISBN 978-3-8329-5583-0
âą Mein Erdbeben, Die Welt, 31. August 2011
⹠AufklÀrung und Vertrauen. In: Bielefeld, Bude und Greiner (Hrsg.): Gesellschaft-Gewalt-Vertrauen: Jan Philipp Reemtsma zum 60. Geburtstag, Hamburger Edition, Hamburg, 2012
âą Politische Ziele, Moralische GrĂŒnde. In: Nida-RĂŒmelin und Ăzmen: Proceedings des XXII. Deutschen Kongress der Philosophie, 2013
âą Was ist Religion?, Die Zeit, 2013
âą Wie wĂ€re es mit AufklĂ€rung? Die Realpolitik der Eurokrise löst vielleicht Probleme, sorgt aber nicht fĂŒr Vertrauen. Nötig ist das Bekenntnis zu einer europĂ€ischen Wertegemeinschaft. Mit Sigmar Gabriel in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. April 2013
âą After Auschwitz, After Hiroshima: Remembering Which Past? In Tester: Critical Theory and Nuclear Bombs, Thesis Eleven, 2015
âą KĂŒnftiger PrĂ€sident Trump. Die Deutschen sollten keine Angst haben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Dezember 2016
âą Verantwortung fĂŒr die Vergangenheit. In: Mathias Lindenau und Marcel Meier Kressig (Hrsg.): Alles relativ?, Seiten 93â112. Transcript Verlag, Bielefeld 2017.
âą Ignoranz aus Scham, "Zwischen vorbildlicher Vergangenheitsaufarbeitung und neuem Antisemitismus: Was ich von den Deutschen lernte, nachdem ich "Von den Deutschen lernen" geschrieben hatte", Die Zeit, 29. Mai 2021
âą Longing for Reconciliation, "The philosopher Jacob Taubes was torn between the desire to heal the split between Judaism and Christianity", The New York Review of Books, 6. April 2023
âą Tiefe EindrĂŒcke. Zu Jerry Z. Mullers Jacob-Taubes-Biografie, Merkur, Heft 888, Mai 2023
Interviews (Auswahl)
âą Obama braucht den Druck von links, taz, 22. September 2012
âą Susan Neiman im Interview: Man fĂŒhlt sich besser, wenn man versucht, die Welt zu verbessern brand eins, Ausgabe 09/2015
⹠»Sehnsucht nach neuen Herren«. Die FĂŒrsten sind lange fort. Und der deutsche Untertan? Gibt es ihn immer noch? Ein GesprĂ€ch mit der amerikanischen Philosophin Susan Neiman. In: Die Zeit, 4. Januar 2018, S. 20.
⹠Gegen das Böse hilft keine Impfung In: Neues Deutschland, 23. Mai 2020
Auszeichnungen
âą Bruno-Kreisky-Preis fĂŒr das politische Buch: Anerkennungspreis fĂŒr Links ist nicht woke, 2023cite-ref-ots-20240101-ots0013-97-0[97]
âą Verdienstorden des Landes Brandenburg, 2023
âą Gifford Lecturer, 2021â2022
âą August-Bebel-Preis, August-Bebel-Stiftung/SPD, 2021
âą EhrendoktorwĂŒrde der UniversitĂ€t Hamburg, 2021
âą International Spinoza Prize/Spinozalens Prijs der Stichting Internationale Spinozaprijs, 2014cite-ref-98[98]
âą EhrendoktorwĂŒrde der UniversitĂ€t St. Gallen, 2014
âą Tanner Lecturer, University of Michigan, 2010
Literatur
âą Patrick Bahners: Falsche Alternativen. Susan Neiman, Hannah Arendt und der Staat Israel. In: FAZ, 22. Juli 2021, S. 9.
âą Gisela Oberndorfer: Widerstand der Vernunft. Frauen gegen Populismus und Nationalismus: Hannah Arendt, Judith N. Sklar, Susan Neiman, in: Praxis Philosophie & Ethik, 3/2023, S. 23â32.
Weblinks
Commons
: Susan Neiman
â Sammlung von Bildern
âą Literatur von und ĂŒber Susan Neiman im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Offizielle WebprÀsenz von Susan Neiman
âą Susan Neiman bei IMDb
Anmerkungen
cite-note-11. â âWer unverfroren von Moral, Ehre, Eigenverantwortung oder Helden spricht, wird als konservativ, wenn nicht rechts eingestuft. Wer herumnuschelt, wenn nach Idealen oder Fortschritt gefragt wird, steht heute eher links. [âŠ] Doch das Buch will nicht nur analysieren; die Leser werden auch aufgefordert, den Mut aufzubringen, Begriffe zu benutzen, die ihnen vorher peinlich erschienen. Denn ohne die Sprache der Moral sind wir nicht einmal in der Lage, die Welt zu beschreiben â geschweige denn, sie zu verĂ€ndern.â (Neiman, Moralische Klarheit, 2010, S. 10).
cite-note-22. â Einstein Stiftung vergibt erstmals mit 500.000 Euro dotierten Preis zur Steigerung von ForschungsqualitĂ€t. In: idw.de. 25. November 2021, abgerufen am 30. November 2021.
cite-note-33. â ĂBER DIE KOMMISSION. Abgerufen am 24. April 2022.
cite-note-44. â Philosophin Susan Neiman: âDie Deutschen sollten sich fragen, warum nur Juden Israel kritisieren dĂŒrfenâ. 8. August 2023, abgerufen am 9. August 2023.
cite-note-55. â 5 Fragen an ... Susan Neiman. In: hanser-literaturverlage.de. Abgerufen am 7. Juni 2024.
cite-note-66. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 19 f.
cite-note-77. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 21.
cite-note-88. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 392.
cite-note-99. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 374. âWenn das Erdbeben von Lissabon und der Massenmord von Auschwitz im Vordergrund stehen, dann weil jenes den Beginn und dieses das Ende der Moderne markieren.â (Ebenda, S. 18).
cite-note-1010. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 352.
cite-note-1111. â Neiman, Moralische Klarheit 2010, S. 253.
cite-note-1212. â Neiman verweist auf Popes Grabspruch fĂŒr Newton: âNatur und ihr Gesetz, sie lagen tief im Dunkeln; Gott sprach: LaĂ Newton sein! Und es begann zu funkeln.â (Nature and natureâs laws lay hid in night; God said »Let Newton be!« and all was light.) Zitiert nach: Das Böse denken 2004, S. 61.
cite-note-1313. â âGeboten wird eine Religion, die von allen Lehrinhalten befreit ist, und als gemeinsamen Nenner nur noch auf solchen Wahrheiten beruht, die von Königsberg bis Konstantinopel jedermann versteht, der bereit ist nachzudenken. Es bedarf keiner Offenbarung, um an einen gĂŒtigen, weisen Schöpfer zu glauben und an eine Schöpfung, die eine natĂŒrliche und moralische Ordnung spiegelt.â (Neiman, Moralische Klarheit 2010, S. 258).
cite-note-1414. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 367.
cite-note-1515. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 367.
cite-note-1616. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 373.
cite-note-1717. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 388.
cite-note-1818. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 402.
cite-note-1919. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 399.
cite-note-2020. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 410.
cite-note-2121. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 439 f. âDie Einsicht, dass jeder von uns in das Böse verwickelt werden kann, ist nur die andere Seite der Einsicht, dass jeder von uns ihm auch widerstehen kann.â (Neiman, Moralische Klarheit 2010, S. 375).
cite-note-2222. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 418. âWas am 11. September 2001 geschah, war eine Art von Bösem, was in Auschwitz passierte, eine andere. Sich Klarheit ĂŒber die Unterschiede zu verschaffen wird das Böse nicht aus der Welt schaffen, doch es mag uns helfen, weniger irrational darauf zu reagieren.â (Ebenda, S. 34).
cite-note-2323. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 419. Eine gleichartige Vorstellung vom Bösen in der Gegenwart vertritt Bernd Ulrich: âDiese Gesellschaft produziert extremen Reichtum; sie erzeugt massive Nebenwirkungen im Rest der Welt; sie verbraucht sechzig Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr (Vegetarier, Veganer und SĂ€uglinge mit eingerechnet) und opfert dabei die uns bekannte Heimat; sie hinterlĂ€sst jĂ€hrlich 40 Milliarden Plastikhalme; sie steigert immer mehr die PKW-Dichte; sie lĂ€sst diejenigen mit der hĂ€rtesten Arbeit mit den geringsten Löhnen zurĂŒck; sie verbraucht immer mehr FlĂ€chen; sie rottet immer mehr Vogelarten aus. Und so weiter. Es gibt offenbar einen Extremismus der NormalitĂ€t. Die Ăffentlichkeit mĂŒsste es als ihre gröĂte Aufgabe begreifen, diesen Schleier der NormalitĂ€t zu lĂŒften, schlicht gesagt: aufzuklĂ€ren. Doch haben wir nur gelernt, die Macht zu entlarven, das Böse aber nicht: das Normale.â (Bernd Ulrich: Wie radikal ist realistisch? In: Die Zeit, 14. Juni 2018, S. 2 f.).
cite-note-2424. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 425.
cite-note-2525. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 78 und 81.
cite-note-2626. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 84. âGeschichte schafft einen Spielraum zwischen Notwendigkeit und Zufall, sie macht Handlungen verstĂ€ndlich, ohne sie zu determinieren.â (Ebenda, S. 83).
cite-note-2727. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 92.
cite-note-2828. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 96 f. âKant verglich Rousseau mit Newton, weil beide Ruhm und GroĂartigkeit der Schöpfung enthĂŒllt hĂ€tten. Wenn Newton die physikalische Ordnung in einem Universum offenbart hat, von dem man bis dahin gedacht hatte, es wĂŒrde von zusammengeflickten Epizyklen bestimmt, so legte Rousseau die moralische Ordnung in einer Welt dar, von der man bis dahin gemeint hatte, in ihr regierten SĂŒnde und Leid.â (Neiman, Moralische Klarheit 2010, S. 168).
cite-note-2929. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 108.
cite-note-3030. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 116. âEine moralisch durchschaubare Welt wĂŒrde die Möglichkeit von Moral zunichte machen.â (Ebenda).
cite-note-3131. â Zitiert nach Neiman: Das Böse denken 2004, S. 128.
cite-note-3232. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 181.
cite-note-3333. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 133.
cite-note-3434. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 460.
cite-note-3535. â âAls Denker aufrichtig zu sein, das hieĂ fĂŒr sie, die Welt ungeschminkt zu sehen: Erfahrung als das Nonplusultra.â (Neiman: Das Böse denken 2004, S. 305).
cite-note-3636. â Neiman bezeichnet das Werk als âatemberaubend bissig, hĂ€ufig unwiderlegbar und erfĂŒllt von jener Erregung, die das Salz jeder intellektuellen Debatte ist. [âŠ] Bayles Dictionnaire gilt als das meistgelesene Buch des 18. Jahrhunderts und als Waffenarsenal der AufklĂ€rung.â (Neiman: Das Böse denken 2004, S. 185).
cite-note-3737. â âWar Hume darauf aus, die Vernunft zu demĂŒtigen, so machte sich Sade daran, sie zu martern.â (Neiman: Das Böse denken 2004, S. 292).
cite-note-3838. â âWie könnte das Leben denn nicht verbrecherisch sein, wo es doch stets auf die Todesstrafe zulĂ€uft?â, fasst Neiman Schopenhauers Haltung zusammen und kommentiert: âSchopenhauers Position widerlegt sich selbst so wenig wie die von Sade. Gegen einen entschlossenen Nihilismus hat der kategorische Imperativ nichts aufzubieten. [âŠ] FĂŒr Schopenhauer wie fĂŒr Sade ist Zerstörung das einzig wĂŒnschenswerte Ziel.â (Neiman: Das Böse denken 2004, S. 299 f).
cite-note-3939. â âGibt es eine andere, bessere, gerechtere Ordnung als diejenige, die wir sehen, oder sind die Tatsachen, die unsere Sinne liefern, alles was es gibt? Ist die RealitĂ€t nichts anderes als das, was ist, oder bleibt noch Raum fĂŒr das, was sein könnte?â (Neiman: Das Böse denken 2004, S. 37).
cite-note-4040. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 337.
cite-note-4141. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 348 f.
cite-note-4242. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 177. âIdeale lebendig zu erhalten, kostet mehr Kraft, als sich von ihnen zu verabschiedenâ, findet Neiman, âdenn es ist eine Garantie fĂŒr lebenslanges Unbefriedigtbleiben.â (Ebenda).
cite-note-4343. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 227.
cite-note-4444. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 470. âDer Drang, Vernunft in der Welt zu finden ist so tief wie nur irgendeiner.â (Ebenda, S. 467).
cite-note-4545. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 465.
cite-note-4646. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 476.
cite-note-4747. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 469. âKein schöpferisches Unternehmen, das nicht dem Drang folgte, Sein und Sollen zu vereinen.â (Ebenda, S. 468).
cite-note-4848. â John Rawls: The Law of the Peoples. Cambridge Massachusetts 1999, S. 162. Zitiert nach Neiman: Das Böse denken 2004, S. 456.
cite-note-4949. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 9 f. und 466.
cite-note-5050. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 135.
cite-note-5151. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 21 f.
cite-note-5252. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 22 f. âFeine Unterscheidungen zeugen von Bedenken, vom Bewusstsein der möglichen KomplexitĂ€t moralischer Urteile. KomplexitĂ€t kann jedoch lĂ€hmend wirken. [âŠ] Vom Relativismus, dem alle moralischen Werte gleich sind, ist es nur ein kleiner Schritt zum Nihilismus, fĂŒr den alles Reden ĂŒber Werte ĂŒberflĂŒssig ist.â (Ebenda, S. 23).
cite-note-5353. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 407â409 (Zitat S. 408).
cite-note-5454. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 313.
cite-note-5555. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 314.
cite-note-5656. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 316.
cite-note-5757. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 317.
cite-note-5858. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 321.
cite-note-5959. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 397. âWir wissen nicht, warum Menschen so unterschiedliche moralische Schwellen haben, warum manche Skrupel unter Hitze schmelzen, indessen andere gehĂ€rtet werden.â FĂŒr Hannah Arendt sei es unvorhersehbar und oft ĂŒberraschend gewesen, wer in der NS-Zeit mit dem Regime kollaborierte und wer nicht. (Ebenda).
cite-note-6060. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 398.
cite-note-6161. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 420 f.
cite-note-6262. â Neiman: Moralische Klarheit 2010, S. 412â454.
cite-note-6363. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 208 f.
cite-note-6464. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 18.
cite-note-6565. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 193.
cite-note-6666. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 44 f.
cite-note-6767. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 17.
cite-note-6868. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 230.
cite-note-6969. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 12.
cite-note-7070. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 194 f.
cite-note-7171. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 218 f.
cite-note-7272. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 198.
cite-note-7373. â Zitiert nach Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 211.
cite-note-7474. â Neiman: Warum erwachsen werden? 2015, S. 210. Von den gĂ€ngigen Reiseangeboten in der Tourismusbranche, im schulischen Bildungs- und wissenschaftlichen Fortbildungsbereich hĂ€lt Neiman allerdings wenig. âIm Jahr 2012 zĂ€hlte die World Tourist Organization insgesamt 1,035 Milliarden Auslandstouristen. Die meisten reisten in Gruppen gemeinsam mit Landsleuten, behĂŒtet von FĂŒhrern, die hastig Listen von SehenswĂŒrdigkeiten abarbeiten, welche eher als Hintergrund fĂŒr Fotografien dienen. Dann werden sie an LĂ€den abgesetzt, deren Waren sie auch zu Hause hĂ€tten kaufen können. Eine solche Erfahrung schlieĂt eine echte Begegnung mit dem besuchten Land aktiv aus, denn schon der Anblick solcher Reisegruppen veranlasst die Einheimischen, sich davonzumachen [âŠ]â (Ebenda, S. 163 f).
cite-note-7575. â Rolf Löchel zitiert als Beispiele: âSich mit der Endlichkeit abzufinden ist gar nicht so schwer â vorausgesetzt sie hĂ€lt sich in Grenzen.â Und: âGute Absichten ohne Folgen sind leer, gesetzmĂ€Ăiges Verhalten ohne Absicht ist blind.â (Rolf Löchel: Die beispiellosesten Verbrechen werden von den gewöhnlichsten Leuten begangen. Susan Neimans Philosophiegeschichte des Bösen.) In: literaturkritik.de, 1. Juli 2004. Abgerufen am 20. Juni 2018.
cite-note-7676. â Neiman: Das Böse denken 2004, S. 423.
cite-note-7777. â In: Totalitarismus und Demokratie 3 (2006) 2, S. 383â385. Abgerufen am 20. Juni 2018.
cite-note-7878. â Rolf Löchel: Die beispiellosesten Verbrechen werden von den gewöhnlichsten Leuten begangen. Susan Neimans Philosophiegeschichte des Bösen. In: literaturkritik.de, 1. Juli 2004. Abgerufen am 20. Juni 2018.
cite-note-7979. â Magnus Schlette: SchwimmĂŒbungen im Hexenkessel. In: der Freitag, 13. August 2014. Abgerufen am 20. Juni 2018.
cite-note-8181. â Simon Vaut: Kompass fĂŒr aufgeklĂ€rte Idealisten. In: Berliner Republik Nr. 5, 2010. Abgerufen am 20. Juni 2018.
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cite-note-8383. â Hans-Martin Schönherr-Mann: Krampfhaft jung bleiben. In: Spektrum der Wissenschaft, 27. MĂ€rz 2015. Abgerufen am 20. Juni 2018.
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cite-note-9898. â Laureates des Spinozalens Prijs, abgerufen am 1. Februar 2023